Das Evangelium, Gottes Kraft

Das Evangelium ist nur für Ungläubige. Richtig oder falsch? Das Evangelium ist nur wichtig bei der Bekehrung. Richtig oder falsch?

Zweimal, entschieden: falsch! Sicher, das Evangelium soll dort verkündigt werden, wo es noch keiner gehört hat (Röm 15,20). Aber das Evangelium ist auch für Christen. Die Apostel erklärten die herrlichen Details des Evangeliums in Briefen an Christen. Der Römerbrief, die beiden Korintherbriefe, der Galaterbrief, der Epheserbrief, der Kolosserbrief, der Hebräerbrief oder der erste Petrusbrief – sie sind voll vom Evangelium. Das gilt auch für die anderen Briefe und sogar für die Offenbarung (1,5; 5,9).

Du als Christ solltest dich immer wieder an das Evangelium erinnern (vgl. 2.Tim 2,8), denn es ist die Kraft Gottes, die dich erlöst hat. Es ist die Kraft Gottes, die dein Leben bestimmen sollte. Warum glaubst du, wurde das Abendmahl eingesetzt? Zu wessen Gedächtnis feiern wir Christen das Abendmahl? Woran denken wir, wenn wir das Abendmahl einnehmen?

In diesem Sinne möchte ich nun das tun, was Paulus einmal den Korinthern schrieb: «Ich tue euch aber kund, Brüder, das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht» (1.Kor 15,1).

Mein Ziel ist es, dir die grossartigste Nachricht der Welt neu vor Augen zu malen. Ich möchte dir anhand Römer 1-5 im Groben aufzeigen, was genau die Kraft Gottes im Evangelium ist. Ich wünsche mir, dass du davon neu gestärkt wirst und daran erinnert wirst, wie unglaublich gross unser Gott und Erlöser ist.

Gottes Zorn und das Evangelium

«Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch den Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: ‹Der Gerechte aber wird aus Glauben leben›» (Röm 1,16-17).

Der Apostel Paulus behauptet Folgendes zum Evangelium:

  1. Es ist Gottes Kraft.
  2. Es ist für Juden und Griechen (also für alle Menschen).
  3. Es zeigt Gottes Gerechtigkeit.
  4. Es ist eine Glaubenssache.
  5. Und wer daran glaubt, ist gerecht und wird leben.

Im Evangelium steckt die Kraft, einen Menschen gerecht zu machen und zum (ewigen) Leben zu führen. Es ist die Kraft Gottes. Das bedeutet: Das Evangelium ist kein Menschenwerk, sondern etwas Übernatürliches, es ist von Gott (Röm 1,1).

Evangelium bedeutet «Frohe Botschaft», «Gute Nachricht» oder auch «Siegesbotschaft». Und das Evangelium ist in der Tat die beste und grossartigste Nachricht, die je in die Welt hinausposaunt wurde. Nun wäre es doch eine logische Sache, wenn Paulus ab dem folgenden Vers anfangen würde, dieses Evangelium, diese Kraft Gottes, zu erklären. Doch das tut er nicht. Oder er tut es nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde. Er geht auf ein Thema ein, das viele Christen lieber unter den Teppich kehren würden. Erst in Kapitel 3, ab Vers 21 erklärt er genau, was der Mensch glauben muss, um die Kraft Gottes zu erfahren, gerecht zu werden und zu leben. Zuvor zeigt er auf, warum das Evangelium überhaupt notwendig ist.

Paulus redet ab Römer 1,18 nämlich über den Zorn Gottes. Er schreibt, dass «Gottes Zorn (…) vom Himmel her offenbart» wird «über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen» (Röm 1,18).

In Römer 1,18-23 erklärt Paulus, warum Gott zornig ist:

  • Gott ist zornig, weil die Menschen gottlos und ungerecht sind, obwohl sie die Wahrheit eigentlich haben und kennen sollten.
  • Gott ist zornig, weil die Menschen Ihn und Seine Grösse in der von Ihm geschaffenen Natur und Welt erkennen können, aber Ihn nicht erkennen wollen und Ihm nicht danken oder Ehre geben.
  • Gott ist zornig, weil die Menschen anstatt dessen dummen Ideen («Torheit») nachjagen und die Schöpfung anbeten, anstatt den Schöpfer (aktuelles Stichwort: Evolutionstheorie).

Jeder kann laut Paulus Gott erkennen. Die Bibel versucht auch gar nicht, Gott zu beweisen. Die Bibel stellt vielmehr fest, dass Gott ist. Wer das nicht erkennt, ist unentschuldbar und gemäss der Bibel sogar ein Narr (Ps 14,1; 53,2).

Das Wissen um einen ewigen Gott ist im Herzen der Menschen (Pred 3,11). Punkt. Doch weil der Mensch darauf nicht reagiert, «weil sie es nicht für gut befanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie hingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt; erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit; voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke; Ohrenbläser, Verleumder, Gott Hassende, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige» (Röm 1,28-31). Und was sagt Gott dazu? «Obwohl sie Gottes gerechtes Urteil erkennen, dass die, die so etwas tun, des Todes würdig sind», üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch «Wohlgefallen an denen», die es tun (V 32).

Das ist ein ziemlich deprimierender Auftakt zum Evangelium, zur frohen Botschaft. Ist wirklich jeder Mensch so schlecht? Wird Gott wirklich über jeden Menschen Seinen heiligen Zorn ausgiessen?

Nun, Gott wird «jedem vergelten (…) nach seinen Werken: denen, die mit Ausharren in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, ewiges Leben; denen aber, die streitsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, der Ungerechtigkeit aber gehorsam, Zorn und Grimm» (Röm 2,6-8).

Mit anderen Worten: Gott wird jedem das geben, was er verdient. Die Guten kriegen das ewige Leben. Die Bösen kriegen den Zorn Gottes zu spüren.

Die Frage ist nun: Kann jemand gut genug sein, um als Lohn seiner Werke – seiner eigenen Leistungen – das ewige Leben zu erhalten? Der Massstab ist das Gesetz Gottes (Röm 2,12). Und es kommt nicht darauf an, ob man dieses Gesetz studiert hat oder nicht. Die folgenden Verse in Römer 2,12-16 erklären nämlich, dass Gott Sein Gesetz, Seinen Massstab, in das Herz jedes Menschen eingraviert hat. Jeder Mensch kann durch sein Gewissen erkennen, was Gott will.

Also, um nicht mit Gottes «Zorn und Grimm» bestraft zu werden, müssen wir einfach nur dieses Gesetz halten. Das sollte doch machbar sein. Oder? Vielleicht ist das ja die frohe Botschaft, das Evangelium: Gott hat Sein Gesetz auf unsere Herzen geschrieben und wir können es halten und so das ewige Leben verdienen. Ist das wahr?

Gottes Gebote und das Evangelium

Die Zehn Gebote gelten als das Grundgesetz Gottes. Sie waren zum Beispiel die Grundlage für sämtliche Bestimmungen, die das Volk Israel im verheissenen Land einhalten sollte (5.Mo 5,1-21; vgl. 5.Mo 6-25). Jesus Christus selbst  – ich komme noch auf Ihn zu sprechen – gebrauchte die Zehn Gebote, als Ihn jemand fragte, was man «Gutes tun» solle, «um ewiges Leben zu haben» (Mt 19,16-30). Wenn du das Herz Gottes und Sein Gerechtigkeitsempfinden kennen willst, dann schaue dir die Zehn Gebote an. Ich möchte nur fünf davon nennen und erläutern. Es geht nun nicht um die Frage, ob diese Gebote der Gemeinde gelten oder nicht, sondern um Gottes heiligen Anspruch:

1. Gebot: Du darfst keine anderen Götter neben dem einen wahren Gott haben (2.Mo 20,3). Das bedeutet: Du musst diesen einen Gott mehr lieben als alles andere. Du musst Ihn lieben «mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken» (Mt 22,37-38; vgl. 5.Mo 6,5).

Martin Luther schlussfolgerte dazu Folgendes: Wenn das grösste Gebot ist, Gott mit seinem ganzen Herzen zu lieben, dann ist die grösste Sünde, Ihn nicht von ganzem Herzen zu lieben. Dieser Gedanke machte Luther fast wahnsinnig. Denn er erkannte, dass niemand Gott immer von ganzem Herzen und mit allem Denken lieben kann.

3. Gebot: Du darfst den Namen Gottes nicht missbrauchen (2.Mo 20,7). Das bedeutet zum Beispiel: Niemals darfst du den Namen Gottes für ein Schimpfwort missbrauchen oder gedankenlos «Gott sei Dank» sagen, ohne es wirklich zu meinen. Du darfst dich auch nicht in einer Sache auf Gott berufen, wenn Gott dazu gar nichts gesagt hat. Zum Beispiel: «Gott hat mir dieses oder jenes gezeigt/gesagt …»

6. Gebot: Du darfst niemanden ermorden (2.Mo 20,13). Für Gott bist du aber schon ein Mörder, wenn du ohne triftigen Grund sauer auf jemanden bist, jemanden Narr (Dummkopf) nennst oder einen anderen Gläubigen hasst (Mt 5,21-22; 1.Joh 3,15).

9. Gebot: Du darfst niemals einen anderen belügen bzw. etwas sagen, das nicht mit der Wahrheit übereinstimmt (2.Mo 20,15).

10. Gebot: Du darfst nichts begehren, was einem anderen gehört (2.Mo 20,17). Du darfst nicht neidisch oder eifersüchtig auf andere sein. Das bedeutet: Du musst andere so lieben wie du dich selbst liebst. Dieses Gebot ist genauso wichtig wie das erste Gebot (Mt 22,39).

Schau dir in Römer 1,29-31 noch einmal kurz an, über wen «das Gericht Gottes nach der Wahrheit» kommt (Röm 2,2). Es kommt zum Beispiel über Menschen,

  • die habsüchtig sind,
  • die neidisch sind,
  • die streiten,
  • die andere verleumden,
  • die hochmütig sind (arrogant),
  • die prahlen (angeben),
  • die den Eltern ungehorsam sind,
  • die unbarmherzig gegen andere Menschen sind.

Kannst du ruhigen Gewissens sagen, dass du kein einziges Gebot Gottes gebrochen hast und dass du nie irgendetwas getan hast, was Gottes Gericht verdienen würde? Das bezweifle ich. Und Gott auch. Er sagt, dass alle Menschen «unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: ‹Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer›» (Röm 3,9-12).

Was ist Sünde? Das bewusste oder unbewusste Brechen des Gesetzes Gottes – sei es durch Tun, Unterlassen oder in Gedanken. Das Problem ist, dass niemand vor Gott bestehen kann. Niemand kann Seine Gebote halten.

Als Luther ein katholischer Mönch und Gelehrter und noch nicht bekehrt war, hatte er sehr genau erkannt, dass er Gottes Gebote niemals halten konnte – wie sehr er sich auch anstrengte. Er schlug seinen Körper, schlief auf dem kalten Boden, verbrachte manchmal fünf Stunden am Tag im Beichtstuhl und er wurde fast verrückt bei dem Gedanken, nicht vor Gott zu bestehen. Und so rief er manchmal Dinge aus, wie:

«Gott lieben? Manchmal hasse ich ihn!»  Das ist sehr starker Tobak. Oder: «Manchmal scheint mir Christus nichts weiter als ein zorniger Richter zu sein, der mit einem Schwert in der Hand zu mir kommt.» Oder: «Zum Henker mit Moses!»

Mit diesen Worten bezog er sich auf das Gesetz (Martin Luther, zitiert von R.C. Sproul in Die Heiligkeit Gottes, S. 45). Ja, Luther erkannte ganz genau, dass er Gottes Standard nicht gerecht werden konnte. Er schien fast wahnsinnig zu werden, im wahrsten Sinne des Wortes, bis er den Römerbrief zu lesen begann …

Ich wiederhole: Niemand kann vor Gott bestehen. Das ist die schlechte, die niederschmetternde, die schmerzende Nachricht. Niemand erreicht die Herrlichkeit Gottes (d.i. der Himmel; Röm 3,23). Jeder Mensch ist ein Sünder, und das macht jeden Menschen zu einem Feind Gottes. Denn Sünde ist Feindschaft gegen Gott (vgl. Röm 8,7). Jeder hat in Gottes Augen Seinen Zorn verdient … und das bedeutet ewige Bestrafung. Wer von Gott bestraft bzw. verdammt wird, wird «Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit» gepeinigt (Offb 14, 11; 20,10ff.; vgl. 21,8; 2.Thess 1,9).

Davor hat Jesus Christus selbst in den Evangelien mehrfach gewarnt (Mk 9,43-45). Und darum sollte der Mensch, wie Jesus Christus treffend sagt, mit Recht Den fürchten, «der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!» (Mt 10,28). «Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer», wie es das Alte Testament sagt (5.Mo 4,24) und das Neue Testament bestätigt (Hebr 12,29). Welch ein verzehrendes Feuer unser hochheiliger Gott ist, zeigt das Gesetz Moses. Im Alten Bund musste zum Beispiel ein Kind, das ungehorsam war und nicht auf die Züchtigung der Eltern hörte, aus der Stadt herausgebraucht werden und von allen Bewohnern der Stadt gesteinigt werden, bis es sterbe. So sollte das Böse aus dem Volk Israel ausgerottet werden (5.Mo 21,18-21). So schwerwiegend ist Sünde. Und so heilig und furchtgebietend ist der ewige Gott.

So ewig wie das ewige Leben ist, so ewig sind auch der «Zorn und Grimm» und die «Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt» (Röm 2,6-8). Es gibt nur diese beiden Alternativen: Entweder ewiges Leben oder Zorn. Da der Mensch nur einmal gerichtet wird, und zwar für seine Taten hier auf Erden, gibt es nur ein ewiges, unanfechtbares Urteil. Es ist «den Menschen gesetzt», «einmal zu sterben, danach aber das Gericht» (Hebr 9,27). Niemand kann dem entfliehen.

Gott kann niemanden einfach so laufen lassen. Er kann kein Auge zudrücken. Täte Er das, wäre Er nicht gerecht. Wenn Gott so gerecht und heilig ist, wie Er zu sein behauptet, dann muss Er jede einzelne Sünde richten.

Doch was sehen wir, wenn wir Gottes Gesetz betrachten? Keiner ist gerecht. Alle haben gesündigt. Niemand kann Gottes Gesetz halten. Jeder ist ein Feind Gottes.

«Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde» (Röm 3,20).

Niemand kann durch die Einhaltung des Gesetzes gerecht vor Gott werden. Das Gesetz dient nur dazu, den Menschen zu zeigen, dass er ein Sünder und Gottes Feind ist. Gottes Gesetz verflucht, es kann nicht retten. Was nun? Wird etwa jeder von Gott verdammt? Nein! Hier kommt das Evangelium, die gute Nachricht, ins Spiel.

Gottes Gerechtigkeit und das Evangelium

Weil Gott uns Menschen liebt und Er niemand verdammen will, hat Er einen Ausweg geschaffen. Und das ist das Evangelium. Er hat einen Weg in den Himmel geöffnet, der Seine Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht beiseitestellt, sondern im Gegenteil bestätigt.

«Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle und auf alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist; den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut zur Erweisung seiner Gerechtigkeit (…), dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist» (Röm 3,21-26).

«… die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist» (Röm 4,24-25).

«Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes» (Röm 5,1-2).

«Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen könnte vielleicht noch jemand zu sterben wagen. Gott aber beweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Viel mehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn gerettet werden vom Zorn. Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben» (Röm 5,6-11).

«… so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden» (Röm 5,19).

Bis so weit auszugsweise Paulus’ Erklärung des Evangeliums. Es geht noch weiter, aber diese Kernaussagen zeigen schon, wie sich plötzlich der Ton geändert hat: Weg von Gottes Zorn zur Rechtfertigung. Wir lesen von Jesus Christus, von Glauben, von Friede, von Gerechtigkeit, von gerechtfertigt, von versöhnt, von Gottes Gerechtigkeit, von Blut und von Erlösung. Was bedeutet das? Was erklärt Paulus hier? Was ist nun das Evangelium?

Das Evangelium ist ein historisches Ereignis. Zur «bestimmten Zeit» starb Christus für Gottlose (Röm 5,6; vgl. Gal 4,4).

Gott offenbarte sich den Menschen in Seinem ewigen Sohn. Jesus Christus, durch den alle Dinge geschaffen wurden (Kol 1,16), wurde ein Mensch, geboren von einer Jungfrau, gezeugt durch den Heiligen Geist – und deswegen war Er auch unbelastet von der Erbsünde Adams (Jes 7,14; Mt 1,23; Lk 1,35; Röm 5; Gal 4,4). Er lebte als ganzer Gott und ganzer Mensch ein sündloses, perfektes Leben. Er war der im Alten Testament verheissene jüdische Messias, der Sohn Davids, und König der Juden. Aber das Volk der Juden lehnte Ihn ab. Er wurde verraten, gefoltert und ans Kreuz genagelt. Doch am dritten Tag nach Seinem Tod am Kreuz stand Er aus den Toten auf und bewies Seine Gottessohnschaft und dass Er wirklich der Messias Israels, der Erlöser, war (Röm 1,4). Er fuhr in den Himmel auf und sitzt nun zur Rechten Gottes des Vaters (Mk 16,19). Und eines Tages wird Er nach Israel wiederkommen, um als König Seine Herrschaft auf dieser Erde anzutreten (Offb 19). Das erste Mal kam Er als Erlöser, das zweite Mal wird Er als Eroberer kommen. Soweit die Historizität des Evangeliums (vgl. Joh 1,10-11).

Dieses Evangelium wurde auch «bezeugt durch das Gesetz und die Propheten» (Röm 3,21). Es wurde in der jüdischen Bibel, dem Alten Testament («das Gesetz und die Propheten»), vorhergesagt. So prophezeite zum Beispiel der Prophet Jesaja 700 Jahre vor Christi Geburt, Leben und Sterben detailliert den Leidensweg des Messias Israels und den Grund für dieses Leiden:

«Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet.

Doch er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg; und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.

Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf. (…) Denn er wurde abgeschnitten aus dem Land der Lebendigen: Wegen der Übertretung meines Volkes hat ihn Strafe getroffen. (…)

Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen.

(…) er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan» (Jes 53,3-12).

Was bedeutet das alles? Was bedeutet dieses prophezeite historische Ereignis? Es bedeutet, dass es kein Zufall oder Versehen war, als Gottes Sohn an ein Kreuz genagelt wurde. Er wurde wohl von Menschen verraten, doch Gott selbst hatte Seinen eigenen Sohn ans Kreuz geschickt, um Sünder, ja um Seine Feinde zu rechtfertigen.

Was bedeutet rechtfertigen bzw. Rechtfertigung? Jemand, der gerechtfertigt ist, ist in Gottes Augen, frei-, gerecht- und unschuldig gesprochen.

Das Evangelium ist so gesehen eine rechtliche Sache: Christus nimmt alle Sünden des Sünders auf sich. Im Gegenzug gibt Er Seine vollkommene Gerechtigkeit an den Sünder. Am Kreuz hat ein Austausch stattgefunden. Stellvertretend für diesen Sünder hat der gerechte Sohn schon die Strafe getragen und den Tod und die Strafe durch Seine Auferstehung zunichtegemacht. Deswegen kann ein Sünder mit Gott versöhnt werden, gerecht vor Gott sein und das ewige Leben haben. Das ist Gottes Kraft im Evangelium!

Und welchen Sündern gilt dies? Allen. Jeder Sünder – und jeder Mensch ist ein Sünder – wird in dem Moment, in dem er den Namen des Herrn anruft, seine Sünden bereut, sich davon abwendet, umkehrt (Busse tut), in seinem Herzen glaubt und Jesus Christus als Herrn bekennt, für immer und ewig gerettet.

  • Durch den Tod Jesu werden Sünder mit Gott versöhnt. Sein Tod stillte den Zorn Gottes.
  • Durch das Blut Jesu werden Sünder gerechtfertigt (gerecht gesprochen). Sein Blut war die Bezahlung der Strafe.
  • Durch die Auferstehung Jesu werden Sünder gerettet und gerechtfertigt. Seine Auferstehung stellte die Erlösung sicher.

Am Kreuz trug Jesus Christus den ganzen geballten Zorn Gottes, der jedem einzelnen Sünder zusteht. Wir können uns nicht vorstellen, was das bedeutet und gekostet haben mag. Als Jesus Christus in Gethsemane betete: «Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst» (Mt 26,39), da fürchtete Er sich nicht vor den körperlichen Schmerzen, die Ihm bevorstanden. Als Gott selbst, der aus der Ewigkeit kam, wusste Er wie kein anderer, wie «die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit» (Röm 8,18). Er fürchtete sich vor den Kelch, randvoll mit Gottes Zorn, den Er für die Sünder trinken musste (vgl. Jes 51,17.22; Jer 25,15; Offb 14,10; Joh 3,36; Eph 2,3; 2.Kor 5,21; Hebr 9,28; Röm 1-5). Jesus wusste ganz genau, wie schrecklich, verzehrend und unerbittlich Gottes heiliger Zorn sein würde, den er für dich und mich tragen wollte. Das war so schlimm, dass Jesus, Gott selbst, am Kreuz ausrufen musste: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (Mt 27,46). Wegen der Schwere deiner und meiner Sünden musste Gottes eigener sündloser, vollkommen gerechter Sohn, der Schöpfer des Universums, am Kreuz von Golgatha von Gott dem Vater geschlagen und zertreten werden. Doch der Christus trank diesen Kelch bis zum bitteren letzten Tropfen, bis Er proklamieren konnte: «Es ist vollbracht!» (Joh 19,30). Und mit der Auferweckung Jesu verkündigte und bestätigte und besiegelte Gott, dass dieses stellvertretende Sühneopfer Seines Sohnes genügte und dass Christus für die Sünden aller Menschen bezahlt hat, die daran glauben.

Diese Rechtfertigung am Kreuz ist ein Akt der Gerechtigkeit. Das Evangelium zeigt Gottes Gerechtigkeit. Denn Gott wäre ungerecht, wenn er nicht jeden gerecht- und freisprechen würde, der an Christus glaubt. Denn Christus hat Seinen ganzen Zorn schon getragen. Gott kann den, der glaubt, nicht mehr verdammen. Es wäre eine Verleugnung Seines Namens, Seines Charakters und Seiner eigenen Gerechtigkeit.

Viele Christen haben vielleicht noch gar nicht erfasst, wie gut die gute Nachricht wirklich ist, wie sicher die Erlösung wirklich ist. Gott hat Sein heiliges Gesetz am Kreuz nicht beiseitegestellt, Er hat es vollständig erfüllt. Christus hat den Fluch des Gesetzes und die Strafe am Kreuz getragen, sodass wir Seine Gerechtigkeit bekommen können (Gal 3,10-13; 2.Kor 5,21).

Und das bedeutet nahezu Unglaubliches:

  1. Als Christus starb, verdiente Er den Tod und den Zorn Gottes. Warum? Weil Er alle unsere Sünden, Schuld und Strafe auf sich genommen hat. Gott hat am Kreuz von Golgatha Seinen eigenen Sohn so schwer gerichtet, wie Er einen verlorenen Sünder ewig richten würde.
  2. Wenn wir glauben, verdienen wir den Himmel und die totale Sicherheit der Erlösung. Warum? Weil uns durch den Glauben an Christus Seine vollkommene Gerechtigkeit geschenkt ist. Gott behandelt uns nun so, als ob wir Sein eigener, vollkommen gerechter und sündloser Sohn sind.

Das ist die unglaubliche, unbeschreibliche, unerreichte und unverdiente Liebe und Gnade Gottes!

Wir kommen nicht in den Himmel wegen dem, was wir tun oder getan haben. Wir kommen in den Himmel wegen dem, was Jesus getan hat. Wir kommen in den Himmel, weil Jesus schon alles für uns geleistet, erarbeitet und vollbracht hat. Wir können vollkommen gerecht gesprochen und schuldlos vor Gott stehen – nicht aufgrund unserer guten Taten, sondern allein durch Gnade, allein durch Glauben, allein durch Jesus Christus.

Das ist Gottes Kraft im Evangelium. Und als der katholische Mönch und Gelehrte Martin Luther das erkannte, veränderte sich sein Leben von Grund auf und begann das, was wir heute als die Protestantische Reformation kennen. R.C. Sproul erklärt:

 Von dem Moment an, als Luther verstand, was Paulus im Römerbrief erklärte, war er ein anderer Mensch. Die Last seiner Schuld war hinweggenommen. Die entsetzlichen Qualen hatten ein Ende. Das bedeutete dem Mann so viel, dass er bereit war, gegen Papst, Konzil, Fürsten und Kaiser zu stehen und, falls nötig, gegen die ganze Welt. Er war durch die Tore des Paradieses gegangen, und er würde sich von keinem Menschen wieder herauszerren lassen (R.C. Sproul, Die Heiligkeit Gottes, S. 61).

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10 Gedanken zu “Das Evangelium, Gottes Kraft

  1. Vielen Dank lieber Bruder in Christus für diese wunderbare Evangelium. Heute ist sehr seltsam, eine Predigt zu hören, wie die Bibel lehrt. Ich freue mich so sehr über das Evangelium und Gottes Kraft. Ich lerne auch von ihnen, gerade wenn wir auf die Strasse gehen zu evangelisieren. Gottes Segen
    Noemi

    • Vielen Dank! Das freut mich sehr zu hören. Wir haben einen grossen Gott! Ich gebe das weiter, was ich von anderen lerne … und so geht das durch die Gnade des Herrn immer weiter. Für Ihre Strasseneinsätze wünsche ich Ihnen Gottes überreiche Gnade. Die Speerspitze und vorderste Front der Gemeinde sind zweifelsohne die Evangelisten. Gottes Segen und liebe Grüsse, René

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