Sind Erdbeben Geburtswehen der Wiederkunft Christi?

In der Juli-Ausgabe des Mitternachtsruf 2012 geht der Bibellehrer Ron J. Bigalke, Jr. auf die Frage ein: «Sind Erdbeben Geburtswehen der Wiederkunft Christi?». Er verneint diese Frage. Seiner Meinung nach können wir nicht behaupten, die Erdbeben hätten in letzter Zeit zugenommen und seien die Erfüllung eines Endzeitzeichens für die Rückkehr unseres Königs. Ich tendiere dazu, ihm Recht zu geben.

Ron J. Bigalke Jr. schreibt:

Einige Lehrer der biblischen Prophetie behaupten, die steigende Zahl von Erdbeben seien Zeichen der Endzeit und deshalb die Erfüllung von Matthäus 24,7. Solche Behauptungen passen aber weder zu wissenschaftlichen Daten noch zur richtigen Auslegung der Ölbergrede Jesu. Laut dem National Earthquake Information Center (NEIC, Nationales Erdbeben-Informations-Zentrum) hat sich die Anzahl schwerer Erdbeben der Stärke 7,0 und höher nicht verändert. Allerdings können dank dem wissenschaftlichen Fortschritt Erdbeben heute viel genauer registriert werden als noch vor zwanzig Jahren, und auch die weltweite Kommunikation trägt dazu bei, dass uns viel häufiger als früher bewusst wird, wie sehr die Erdoberfläche in Bewegung ist (Mitternachtsruf 7/12).

Nun kam allerdings der Einwand auf, dieser Artikel sei nicht erbaulich für die Gemeinde und richte nicht auf die Wiederkunft Jesu aus. Bigalke, Jr. argumentiere zu sehr nach dem Motto: Es sei ja immer schon so gewesen.

Dieser Vorwurf machte mich stutzig. Brauchen wir mehr Erdbeben und schlimmere Zeiten, um Jesus Christus zu erwarten? Ich meine «Nein». Todd Friel sagte einmal sinngemäss, Erdbeben, Katastrophen und dergleichen sollen uns zweifellos wachrütteln und uns auf den wiederkommenden Gott aufmerksam machen, aber sie sagen uns nicht, wann Er wiederkommt. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach wahr.

Wir sollten unsere Erwartungshaltung oder Vorfreude auf die Wiederkunft Jesu nicht von Erdbeben und Katastrophen abhängig machen. Ja, ich gehe sogar so weit, dass wir die Gemeinden auch nicht dazu erziehen sollten, jedes Welt- und Naturereignis mit der Bibel in der Hand zu deuten. Ich plädiere dafür, die Gemeinden dazu zu anzuhalten, Jesus Christus immer zu erwarten, ob nun gerade ein grosses Erdbeben oder ein schrecklicher Tsunami die Welt heimgesucht hat oder nicht. Bigalke erklärt:

Die Behauptung, in Erfüllung von Matthäus 24,7 hätten Erdbeben zugenommen, ist eine Fehlinterpretation der Schrift. Der Zusammenhang von Matthäus 24,7 fordert, dies als Zeichen für Gläubige in der Trübsalszeit zu sehen, die die Rückkehr des Herrn erwarten. Diesen Vers als Beschreibung von Ereignissen im Gemeindezeitalter zu werten, wäre nicht korrekt.

Ob diese Auslegung auch korrekt ist, weiss ich nicht sicher (zu Mt 24 gibt es die verschiedensten Deutungen), aber ich zweifle jedenfalls daran, ob es wirklich so ein geistliches Prinzip ist, Jesus Christus mit der Bibel in der einen und die Zeitung (bzw. irgendwelche Statistiken) in der anderen Hand zu erwarten. Überlassen wir doch das Spekulieren den Inkas und umgürten wir selbst unsere Lenden und erwarten unseren Herrn und Erlöser jederzeit – ob es nun besser oder schlechter wird, ob sich nun unsere Vorstellung von Prophetieerfüllung in den aktuellen Schlagzeilen bewahrheitet oder nicht …

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