Der Zusammenhang zwischen Entrückung und Evangelium

Was hat das Evangelium mit der Entrückung zu tun? Mehr als man denken mag. Denn wenn wir glauben, dass Jesus Christus den Zorn Gottes für unsere Sünden am Kreuz getragen hat, dann scheint die einzig logische Schlussfolgerung die sogenannte Vorentrückungslehre zu sein. Warum? Das soll an dieser Stelle erklärt werden. Der Schlüssel ist der Tag des Herrn und seine Definition.

Die Welt hat eine Zeit der Trübsal (Drangsal) zu erwarten (Daniel 12,1; Zefanja 1,15; Matthäus 24,21; Markus 13,19). Diese Zeit wird in der Bibel «ein Tag des Zorns» genannt (Zefanja 1,15) und im letzten Buch der Bibel ausführlich beschrieben (ab Offenbarung 6,1ff.). Wenn dann die ersten Gerichte Gottes über diese Erde ausgegossen werden, fangen die Menschen an zu «sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der grosse Tag seines Zorns, und wer vermag zu bestehen?» (Offenbarung 6,16-17). Die Menschen erkennen dann also, dass der «Zorn des Lammes», «der grosse Tag seines Zorns», gekommen ist. Dies ist der bereits im Alten Testament mehrfach angekündigte «grosse Tag des Herrn», der «Tag des Zorns» (Joel 2,1-11; Zefanja 1,14-18; Maleachi 3,19-21). Es ist offensichtlich: Die ganze Trübsal ist eine Zeit des Zorns. Sie ist eine Trübsal, weil der dreieinige Gott die Erde richtet und Seinen Zorn über sie ausschüttet (Römer 1,18).

Was hat das nun mit der Vorentrückungslehre zu tun? Hier kommt das Evangelium ins Spiel. Das Evangelium wird oft nur in dem Sinne präsentiert, dass Jesus uns von unseren Sünden befreit hat. Das ist auch absolut richtig, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Das Evangelium verkündigt nämlich auch, dass Christus uns von Gottes Zorn über unsere Sünden befreit hat.

Jeder bibelgläubige Christ weiss, dass Gottes Zorn über die Sünde in der ewigen Verdammnis vollendet wird (Offenbarung 14,10-11). Doch dies ist nicht der einzige Ausdruck von Gottes heiligem und gerechtem Zorn über die Sünde. Denn wie wir ja gesehen haben, ist auch die kommende Trübsal eine Zeit des Zornes Gottes.

Der Apostel Paulus sagt, dass wir Gottes «Sohn aus dem Himmel» erwarten, «der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn» (1.Thessalonicher 1,10). Damit muss er nicht zwingend «nur» die Verdammnis meinen. Es ist gut möglich, dass Paulus mit dem «zukünftigen Zorn» auch die zukünftige Trübsal, den «Tag des Herrn», meint (vgl. 1.Thessalonicher 5,1-2). Denn ausgerechnet in diesem Brief erklärt er die Entrückung und argumentiert, dass die Gemeinde «vor dem zukünftigen Zorn» errettet wird (1.Thessalonicher 1,10; 4,13-5,11).

Die Antwort hinsichtlich des Zeitpunktes der Entrückung ist letztendlich im Evangelium zu finden. Am Kreuz stillte Jesus Christus Gottes Zorn über unsere Sünde: Sein Tod versöhnte uns mit Gott (Römer 5,10). Diese Tatsache gibt uns nicht nur Heilssicherheit, sondern auch die Sicherheit, nicht durch die Trübsal, den «Tag des Zorns», gehen zu müssen. Denn wir sind nun Miterben Christi (Römer 8,14-17) und Sein Leib (Römer 12,5). Gott hat uns in die Stellung Seines Sohnes versetzt (Röm 5,12-21). Wir sind «Gottes Werk, geschaffen in Christus Jesus» (Epheser 2,10). Wir sind mit Ihm auferweckt worden und sind in Ihm in den Himmel versetzt (Epheser 2,6). Als Miterbe und Leib des Lammes kann die bluterkaufte Gemeinde unmöglich noch unter den Zorn des Lammes kommen.

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5 Gedanken zu “Der Zusammenhang zwischen Entrückung und Evangelium

  1. Wie groß ist dieses Geschenk unseres himmlischen Vaters, dass Er uns IN Christus Jesus gemacht hat. Nun sind wir versöhnt und befriedet mit IHM, der alle Macht hat.

    Er trug all unser Versagen, all unsere Schuld und all unsere Revolution gegen IHN und Seine guten Gedanken, Vorhaben und Pläne.

    Vorausgesetzt allerdings………………….dass wir dieses Gnadengeschenk auch tatsächlich und mit vollem Bewußtsein ganz persönlich für uns angenommen haben.

    Wie geschrieben steht: “Denn soviele (Menschen) IHN (Jesus Christus) annehmen (sich für IHN entscheiden), denen gab GOTT die Macht, Kinder Gottes zu sein, die, die an Seinen Namne (Jesus Christus) glauben.”

    Getauft und komfirmiert zu sein, kichlich geheiratet zu haben bringt uns niemals zu IHM in die zwingend notwendige Vergebung unserer Verfehlungen, als eben NUR diesem Jesus zu glauben und IHM zu vertrauen, dass ER alles erforderliche schon getan hat am Kreuz von Gogatha.

  2. Hi René,
    die Entrückung in dem Sinne, in welchem du von ihr schreibst, ist eine Erfindung John Nelson Darbys.

    In der Bibel selbst ist nur an einer Stelle von einer Entrückung die Rede, nämlich in 1Thess4:17. Im Zusammenhang heisst es dort:

    Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

    Das neuzeitliche Endzeitmodell des Dispensationalismus, konstruiert, ausgehend von dieser einen Stelle das Phänomen einer weltweiten “Entrückung” der Gemeinde. Piloten bzw. Passagiere verschwinden. Einfach so. Führerlose Fahrzeuge, verschwundene Menschen überall auf der Welt und keiner kann sich erklären wo sie hin sind. Bei Tempo 200 auf der Autobahn, beim Frühstück oder auf dem Klo…

    Und das alles aufgrund eines Begriffes, welcher, das zeigen andere Zusammenhänge in denen dieser benutzt wird, mit einem solchen Science Fiction Szenario nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

    Es geht um die Ankunft des Herrn, von der an vielen Orten im Neuen Testament die Rede ist: Christus kommt mit den Wolken, so wie er gegangen ist. “Entrückung” bedeutet, dass die Gläubigen ihm entgegen gehen. Entrückung geschieht also am letzten Tag der Welt, am Tag des Herrn, bei der Wiederkunft von Jesus Christus.

    Liebe Grüße, Andreas

    • Hi Andreas

      Selbst wenn die Bibel nur an einer Stelle von Entrückung redet, macht sie das nicht weniger biblisch. Aber ich nehme an, das meintest du nicht. :-)
      Eine Parallelstelle ist m.E. ziemlich eindeutig in 1.Korinther 15,51ff. Bei der Entrückung geht es ja um die Verwandlung des Leibes, um die Auferstehung. Da einige bei der Wiederkunft Jesu (was auch eine “Science-Fiction-Ereignis sein wird, selbst aus reformatorischer Sicht) am Leben sein werden, beantwortet Paulus in diesen zwei Stellen eigentlich die Frage, wie diejenigen, die bei Jesu Wiederkunft tot sind oder diejenigen, die leben, einen Auferstehungsleib bekommen.

      Der Streitpunkt ist der Zeitpunkt dieser Entrückung. Man kann als bibelgläubiger Christ nicht wirklich leugnen, dass es eine gibt (es sei denn man glaubt nicht an die Auferstehung, aber dann hat man sich ja schon aus dem “orthodoxen” Lager entfernt). Es gibt m.E. gute Argumente für eine Entrückung getrennt von der Wiederkunft in den Wolken und gute dagegen. Über dieses Thema würde ich aber nicht gross streiten oder Rechtgläubigkeit testen wollen.

      Falls mir jemand nachweisen kann, dass der Tag des Herrn nicht die Trübsal ist bzw. dass keine Trübsal kommen wird und kein Zorn Gottes (oder dass Zorn Gottes bzw. Tag des Herrn nur Hölle ist), dann sehe ich auch keinen Anlass dazu, die Entrückung von der Wiederkunft zu trennen. Da aber 1.Thess 4-5 meines Erachtens nahelegt, dass nur die Gottlosen vom Tag des Herrn ergriffen werden, halte ich die Vorentrückungslehre noch für die schlüssigste Auslegung.

      LG René

  3. Der Schlüssel ist in der Tat der Tag des Herrn und seine Definition …

    … schon mal darüber nachgedacht, warum der Tag des Herrn ein Tag ist? Er wird in der Bibel stets Tag genannt. Das ist sicher nicht ohne Bedeutung, denn ein Tag ist nicht einfach nur ein Zeitabschnitt X. Ein Tag besteht aus zwei Zeitabschnitten: aus einem Abschnitt Finsternis (= Nacht) und aus einem Abschnitt Licht (= Tag, bzw. lichter Tag). Wäre der Tag des Herrn “nur” irgendein Zeitabschnitt X, wäre er kein Tag. Das gilt auch dann, wenn eine Schriftstelle nur den zweiten Abschnitt des vollen Tages, den lichten Tag, fokussiert, denn es gibt keinen lichten Tag ohne den zugehörigen vollen Tag. So jedenfalls hat Gott selbst den Begriff Tag definiert (1.Mo.1,5).

    In Lukas 17,31-35 werden nun beide Abschnitte des vollen Tages angesprochen, jener Tag (Lk.17,31) und diese Nacht (Lk.17,34). An jenem Tag wird Jesus sichtbar wiederkommen (Lk.17,30). An jenem Tag wird es aber auch eine Flucht (Lk.17,31-33) aus Judäa auf die Berge (vgl. Mt.24,16-20) geben. Von der Flucht bis zur Wiederkunft Jesu wird die große Drangsal (Mt.24,21) sein, die Tage (d.h. wesentlich länger als 1 Tag) dauern wird (Mt.24,22.29). Die Flucht, die große Drangsal und die Wiederkunft Jesu wird dennoch alles “an jenem Tag” (Lk.17,30-31) sein. Jener Tag (Lk.17,31) dauert daher wesentlich länger als eine halbe (oder eine ganze) Erdrotation.

    Zum Zeitpunkt der Entrückung:
    In dieser Nacht (Lk.17,34), im ersten Abschnitt des vollen Tages also, wird es ein weltweites Ereignis geben: dort, wo die Menschen schlafen (weil es dunkel ist), wird eine Person aus dem (Doppel-)Bett genommen, die andere wird gelassen. Dort, wo die Sonne scheint, wird eine Person von der Arbeit (an der Mühle) weggenommen, die andere wird gelassen: “Piloten und Passagiere verschwinden. Einfach so. Führerlose Fahrzeuge, verschwundene Menschen überall …”. Es wird weltweit in einem Augenblick, (noch) in dieser Nacht, geschehen, noch vor der Flucht an jenem Tag und noch vor der Drangsal und Wiederkunft Jesu an jenem Tag. Lk.17,34-35 ist also ebenfalls eine Schriftstelle, die von der Entrückung spricht, obwohl sie das Verb “entrücken” nicht verwendet (hier wird das selbe Verb wie in Joh.14,3 gebraucht).

    So wie die Entrückung in dieser Nacht ein weltweit zeitgleiches Ereignis sein wird, so wird auch das Kommen jenes (lichten) Tages ein weltweites Ereignis sein, denn jener Tag “wird über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden ansässig sind.” (Lk.21,35). Jener Tag wird (genau wie die gegenwärtige Nacht) den ganzen Erdboden erfassen, nicht nur den Teil der Erdoberfläche, der dann normalerweise gerade der Sonne ausgesetzt wäre.

    Alle diese Worte (Lk.17,34-35; Mt. 24,16ff; Lk.21,34-35) hat kein Geringerer als der Herr Jesus Christus selbst gesagt. Die Entrückung in dieser Nacht ist also weder ein neuzeitliches Endzeitmodell noch eine Erfindung von John Nelson Darby.

    Wenn wir den Tag des Herrn Jesus betrachten, dürfen wir die gegenwärtige Nacht nicht vernachlässigen. Sie ist der erste Abschnitt dieses großen Tages.

    Maranatha.

    • Danke sehr für Ihre Gedanken! (Nun endlich kam ich dazu, wieder meinen Zugang zur Moderation des Blogs zu öffnen.) Herzliche Grüsse aus der Schweiz und in der Tat, Maranatha, komme bald, Herr Jesus!

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