Die Gnade, in der wir stehen

 

"Adrian Ludwig Richter 001" by Adrian Ludwig Richter - The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Adrian_Ludwig_Richter_001.jpg#mediaviewer/File:Adrian_Ludwig_Richter_001.jpg

«Adrian Ludwig Richter 001» by Adrian Ludwig Richter – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.. Licensed under Public domain via Wikimedia Commons.

Für viele Christen ist die Gnade ein gefährliches Thema. Ihr Argument: Wenn man sie zu viel verkündigt, gibt es fleischliche Christen. Paulus argumentiert für das Gegenteil. Gnade ist Gnade, und sie hat nun einmal nichts mit unseren Leistungen zu tun. Das sollte uns beruhigen, nicht beunruhigen. Warum freuen wir uns nicht einfach über Bibelstellen wie Römer 5,1-2?

Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir mittels des Glaubens auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes (Röm 5,1-2).

Paulus nimmt Bezug auf seine Ausführungen in den Kapiteln vorher. Er erklärt, dass wir Zugang «zu dieser Gnade» haben, «in der wir stehen». Welche Gnade? Die Gnade, «gerechtfertigt worden» zu sein und «Frieden mit Gott» zu haben. Durch wen? «Durch unseren Herrn Jesus Christus.» Weil wir nun in der Gnade «stehen», sind wir auch in der Lage, «uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes» zu rühmen. Wir können uns unseres Platzes im Himmel sicher sein.

Der Glaube an Jesus Christus hat uns gerechtfertigt. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass wir vollkommen schuldlos, tadellos, heilig und gerechtgesprochen vor Gott stehen, und zwar durch das Erlösungswerk Jesu Christi auf Golgatha. Darum stehen wir Tag ein, Tag aus in der Gnade Gottes – ob wir nun einen schlechten Tag erwischen, oder einen guten. Denn wir haben nicht Zugang zur Gnade aufgrund unseres Verhaltens, sondern aufgrund unserer Rechtfertigung, die allein Christus bewirkt hat.

Wenn wir an Jesus Christus glauben, reinigt uns Sein Blut von aller Ungerechtigkeit. Das bedeutet: Christus trug alle unsere Schulden, alle unsere Sünden und unsere gesamte Strafe am Kreuz und bezahlte dafür. Er nahm unsere Ungerechtigkeit auf sich, und Er gibt uns Seine Gerechtigkeit. Darum können wir nicht aus der Gnade fallen.

Egal, wie viel du an einem schlechten Tag vielleicht gesündigt und versagt hast, es wurde alles schon am Kreuz von Golgatha durch Jesus Christus mit Seinen unglaublich teuren Blut gesühnt. Die Strafe für all unser Sündigen wurde bereits bezahlt – darum bleiben wir in der Gnade Gottes, auch wenn wir gnadenlos versagen. Wir leben nicht in der Gnade Gottes, wegen dem, was wir tun, sondern wegen dem, was bereits für uns vollständig vollbracht wurde!

Diese Rechtfertigung bzw. Gerechtsprechung durch den Glauben an Christus gibt uns «Frieden mit Gott».

Das mag für einen post-modernen, liberalen Christen nicht sonderlich aufregend klingen, doch wenn wir uns bewusst sind, wer unser Gott ist, dann ist dies die grossartigste Nachricht, die man überhaupt haben kann: Denn Er, «unser Gott ist ein verzehrendes Feuer» (Hebr 12,29), und es ist «schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!» (Hebr 10,31). Er ist «zu rein von Augen, um Böses zu sehen» (Hab 1,13). Und Er ist «heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger» (Offb 4,8). Er wird Seinen Zorn über alle Sünder ausgiessen und Er ist zu fürchten, denn Er vermag «sowohl Seele als Leib zu verderben (…) in der Hölle» (Mt 10,28).

Diesen Gott dürfen wir durch den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus «Abba, Vater!» nennen (Röm 8,15). Bevor wir erlöst wurden, waren wir Seine Feinde (Röm 5,10), doch jetzt sind wir mit Ihm versöhnt (V 10-11), Seine Kinder und haben «Frieden mit Gott». Und darum können wir nicht aus der Gnade Gottes fallen. Denn wir sind mit Gott versöhnt.

Wir stehen in dieser Gnade. Sie gehört uns. Wir haben sie – unabhängig von unserer Leistung. Paulus schreibt in Römer 5,21:

Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unserem Herrn.

Das bedeutet: Genau so, wie vor der Erlösung unwiderruflich die Sünde über uns herrschte und uns zum Tod verurteilte, herrscht nun unwiderruflich die Gnade aufgrund der Gerechtigkeit Jesu Christi über uns und berechtigt uns zum ewigen Leben.

Durch Jesus Christus stehst du in der Gnade. Wenn du sündigst, musst du keine Angst davor haben, dass Gott in verzehrendem Zorn und mit einem flammenden Schwert hinter dir her jagt. Weil Er dich liebt, züchtigt Er dich, wenn nötig (Hebr 12,6). Aber das tut Er, um dich zurechtzubringen, nicht, weil du Punkte auf dem himmlischen Konto verloren hast und du diese nun abbezahlen musst. Du musst keine Angst haben, dass du im falschen Moment sündigst und die Entrückung verpasst oder das Heil verlierst. Ja, die Sünde ist überaus schrecklich, aber genau darum hat Christus einen so teuren und umfassenden Preis für deine Sünden bezahlt. Wärst du nicht durch den Glauben an Christus gerechtfertigt und mit Gott versöhnt worden, würde schon die in deinen Augen kleinste Sünde ausreichen, dich aus der Gnade fallen zu lassen.

Doch die Gnade, in der du durch den Glauben an Jesus Christus stehst, ist nicht von dir abhängig. Wenn du – menschlich gesprochen – einen schlechten Tag hast, schaut Gott dich nicht an und sagt sich: «Nö, heute gefällt er/sie mir nicht. Heute kriegt er/sie nichts von meiner Gnade. Heute zeig ich ihm/ihr mal, wo der Hammer hängt!»

Oft verhalten wir uns so, als ob wir die volle Kraft des Evangeliums nicht wirklich kennen. Wir mögen zwar bejahen, dass alles Gnade ist, aber unsere Kenntnis hat keinerlei Auswirkungen auf unsere Herzen und unser Leben. Teils unbewusst verknüpfen wir die Gnade Gottes mit unserem Verhalten. Wir werden «geistliche Buchhalter». Wir meinen, unser Verzicht auf etwas Bestimmtem oder unser Tun von etwas Bestimmtem könne auf die Habenseite verbucht werden, sodass Gott mit Seiner Gnade nun im Soll stehe. Plötzlich fangen wir an zu glauben, Gottes Gnade hinge von unserer Leistung ab. Wir meinen, unsere guten Taten gäben uns ein Recht auf Gnade. Und wir meinen, unser Versagen entziehe uns das Recht auf Gnade. Wir mögen dies zwar leugnen, weil wir theoretisch die Theologie des Kreuzes kennen. Aber in der Praxis verhalten wir uns so, als würden wir durch unsere Leistung gerecht gesprochen. Wir fangen an zu glauben, zu denken und uns so zu verhalten, als seien wir im Grunde gute Menschen, wenn wir nur die anerzogenen christlichen Massstäbe einhalten. Doch es gibt kein Recht auf Gnade. Darum ist Gnade ja Gnade!

Wir stehen in der Gnade, weil wir von ihr abhängig sind. Wir können Gottes Gnade nie verlieren, weil wir ohne sie verloren wären. Paulus stellt in Römer 7 fest, dass die Sünde immer noch in ihm wohnt und er das Böse, das er nicht will, tut. Er schreibt dies der in ihm wohnenden Sünde zu. Paulus weiss nach seiner Bekehrung und als Apostel immer noch, dass in seinem Fleisch «nichts Gutes wohnt» (Röm 7,18-20).

Genauso wie Paulus sind wir darum davon abhängig, dass Christus uns jeden Tag neu rettet. Genauso wie Paulus sind wir darum von der Gnade, in der wir stehen, abhängig, und zwar 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 31 Tage im Monat, 365 Tage im Jahr. Und Gottes Gnade sichert nicht bloss unsere Erlösung, sie ist auch in unserem täglichen Leben wirksam.

Römer 8,28 sagt, «dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind». Das ist keine Einschränkung für Christen, nach dem Motto: Nur wenn du Gott genug liebst, wird Er alles zu deinem Besten dienen lassen. Gottes Liebe ist in das Herz jedes Erlösten ausgegossenen (Röm 5,5). Ein erlöster Christ liebt Gott und darum dient alles, was Gott in seinem Leben zulässt, zu seinem Besten (jemand, der nicht erlöst ist, kann Gott gar nicht lieben, weil er Sein Feind ist). Das ist pure Gnade! Gott schuldet es uns nicht, alles in unserem Leben zu unserem Besten dienen zu lassen. Er hätte auch sagen können: «Christ, jetzt habe ich dich erlöst, und jetzt schau, dass du würdig und entsprechend dieser Erlösung lebst. Das kann ich ja wohl von dir erwarten, weil ich dir so ein grosses Geschenk gemacht habe. Es kann sein, dass die Dinge in diesem Leben gut für dich enden oder auch nicht. Du wirst es schon merken, ich werde mich nicht drum kümmern. Wir sehen uns im Himmel.» So ist Gott nicht.

Gott gibt durch Jesus Christus jeden Tag neu jedes Seiner Kinder genau die Gnade, die es nötig hat.

Er sorgt jeden Tag für dich, Er wacht jeden Tag über dich, Er hält jeden Tag Seine Hand über dir – ob du nun mit dem richtigen oder mit dem falschen Bein aus dem Bett steigst.

Gottes Gnade ist nicht von deiner Stillen Zeit abhängig. Gottes Gnade ist nicht von deiner Evangelisationsfreudigkeit abhängig. Gottes Gnade ist nicht von deinen guten Werken abhängig. Gottes Gnade beruht einzig und allein auf das Erlösungswerk und die Stellvertreterschaft Jesu Christi.

Diese Wahrheit bereitet manchen Christen Unbehagen. Das hat verschiedene Gründe. Erstens: Manche sind tief in ihrem Herzen beleidigt, dass die Gnade, die sie erfahren, doch nichts mit ihrer guten Leistung zu tun hat. (Das bedeutet nicht, dass auf Gehorsam nicht besonderen Segen stehe – es gibt keine glücklicheren Christen als gehorsame Christen). Zweitens: Manche befürchten, andere (natürlich nicht sie) könnten diese unverschämt grosse Gnade ausnutzen.

Doch ich verrate dir was: Du bist schlimmer als du denkst; also, Kopf hoch! Jeder einzelne von uns nutzt diese unverschämt grosse Gnade schon aus – denn jeder von uns sündigt. Auch wenn die Lehre von der radikalen Gnade unsere Egos nicht gerade streichelt, sollte sie uns nicht Unbehagen bereiten, sondern ermutigen:

Denn Gott wird das gute Werk, das Er in dir angefangen hat, vollenden (Phil 1,6). Warum? Weil du so vorbildlich in der Gnade lebst? Nein, weil Christus schon alles für dich vollbracht hat! Du musst «nur» noch in den «guten Werken» wandeln, «die Gott zuvor bereitet hat» (Eph 2,10).

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4 thoughts on “Die Gnade, in der wir stehen

  1. Dieser Artikel ist einfach so erfrischend, glaubensstärkend, mutmachend und vor allem auch wahr.
    Die Gnade Gottes ist in der Tat unverdient und ich kann sie mir durch meine Taten weder erwerben noch verlieren. Welch einfache Wahrheit ist dies, und doch wie schwer zu begreifen. Doch wenn man sie im Glauben erfasst, gibt sie Freude und befähigt zu einem Leben, das Gott ehrt.

    Grüße, Christine

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